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SCS
Es gibt einige
10.000 Maschinenbau-Betriebe im deutschsprachigen Raum. Fast
alle haben ein PPS-System im Einsatz.
Wer ist
zufrieden?
Jeder scheint froh, wenn das System
funktioniert und die Enderzeugnisse zum geplanten Termin
verladen werden können. Denn die Ergebnisse der
PPS-Einführungen halten nur selten die Versprechungen. Dazu
spielt es kaum noch eine Rolle, ob es sich um einen Klein-
oder Großbetrieb handelt. Die Unterschiede wurden in den
letzten Jahren verwischt, vor allem durch die Aufteilung in
"Fraktale" oder ähnliche dezentrale Einheiten. Auch die
Differenz zwischen Serie und Einzelfertigung als
Unterschiedsmerkmal ist mit den kleiner werdenden Losgrößen
unbedeutend geworden.
Bedeutender wurden stattdessen
betriebswirtschaftliche Ergebnisse wie Bestandssenkung,
Durchlaufzeitverkürzung und Termintreue. Gerade daran hapert
es jedoch. Meist kommt zu den nicht erreichten erwarteten
Ergebnissen noch ein erheblicher Aufwand zur Befriedung des
Systems hinzu: Stammdatenpflege, Korrekturen der Bestände,
Rückmeldungen, Anpassungen und anderes, das nicht weiter
diskutiert wird, weil die EDV das halt verlangt.
"Wenn Anspruch (Modell) und Wirklichkeit nicht
übereinstimmen, umso schlimmer für die Wirklichkeit" -
dieses Wort von Marcuse gilt für das Konzept der PPS-Systeme
ganz besonders.
Anspruch (M=Modell) und Wirklichkeit (W)
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Das Konzept aller PPS-Systeme stammt aus den 70er oder gar
60er Jahren. Damals war der Taylorismus noch unangefochten
die tragende Säule aller Organisationen.
Leitsatz
des Taylorismus ist:
Die Summe der Einzeloptima bringt
automatisch das Gesamtoptimum für den Betrieb.
Also
wurde dieser Leitsatz und alle übrigen konzeptionellen
Grundlagen der damaligen Zeit für das PPS-System übernommen:
Fokussierung auf den Einzelarbeitsplatz, Bilden von
"optimalen" Losgrößen, genaue Vorgabe aller Arbeitsschritte,
totale Erfassung sämtlicher Materialien, etc. - das gesamte
Betriebsgeschehen muss im Computer abgebildet werden. Das
Abbilden braucht sehr viele Daten. Es ermöglicht gleichwohl
noch keine Prozess-Gestaltung.
Herzstück eines jeden
PPS-Systems ist jedoch die Nettobedarfsrechnung mit der
Stücklistenauflösung für die Disposition. Disponieren heißt
Zerlegen. Zerlegt wird der Kundenauftrag, die "Seele des
Geschäfts".
Letztlich zeigt sich in jedem PPS-System
noch der alte, misstrauische Führungsstil. Dem Arbeiter ist
nicht zu trauen. Deswegen muss er angetrieben und überwacht
werden. Die Arbeitspläne der taylorischen Zeitwirtschaft
ermöglichen diese Überwachung.
Ohne Überwachung einer
steuernden Kompetenz von außen bräche in jeder
Meisterwerkstatt sofort das Chaos aus. Also muss das Chaos
verhindert werden:
es braucht eine Fertigungssteuerung,
einen Leitstand, damit auch die Betriebsdatenerfassung, es
braucht die Arbeitspläne je Arbeitsgang.
Nicht
gebraucht wird der Meister und schon gar nicht seine
Mitarbeiter. Diese sind ja eigentlich Gegen- (und nicht
Mit-) arbeiter.
Systemtechnische Einwände gegen PPS
Es mag
verwundern, dass es nach all dem bereits kritisch Gesagten
auch noch systemtechnische Einwände gibt. Diese sind
gewichtig. Geht es doch um die Kritik an den zahlreichen
Festlegungen, die ein PPS-System zum Funktionieren
vorausgesetzt und sozusagen "ansaugt".
Es seien hier
nur einige genannt:
Überganszeiten:
Die
Übergangszeiten, die starr in einer Matrix hinterlegt sind,
stimmen nie und nirgends. Sie sind immer zu lang und führen
zu seltsamen Terminen, die zu lang sind und von den Meistern
korrigiert werden müssen.
Arbeitspläne:
welcher
Meister liest schon einen Arbeitsplan? Zumal er meist
veraltet ist, kaum jemals gestimmt hat und die angegebene
Zeiten für das Rüsten und Bearbeitung schon lange nicht mehr
aktuell gehalten wurden.
Bestände:
Bestände
stimmen kaum jemals. Sie werden am Bildschirm zwar
angezeigt, aber - wie jeder Praktiker weiss - tut man gut
daran, in kritischen Fällen den angezeigten Bestand durch
Augenschein zu kontrollieren.
Andlersche Losgröße:
diese ist seit der Dissertation von Andler im Jahr 1929
Bestandteil aller im PPS-Bereich Tätigen. Aber sie ist
falsch: sie hat auf der Y-Achse zwei Dimensionen. Die
Lagerkosten sind in €/Jahr zu dimensionieren, die Rüstkosten
in €/Stück. Außerdem greift sie zu kurz: der
Einzelarbeitsplatz muss kaum jemals optimiert werden, wohl
aber der Prozess oder - in einer anderen Sprache - der
jeweilige Stücklistenast.
Wahrscheinlich sind unsere
PPS-Systeme heute nur noch ein Relikt der untergehenden Zeit
des Taylorismus.
Damals musste alles festgelegt
sein. Es gab im Taylorismus keine Spielräume vor Ort, die
Gruppe als höchst effiziente Arbeitseinheit war unbekannt,
das dauernde Verbessern der eigenen Arbeit durfte nur mit
Genehmigung von oben geschehen, ein unternehmerisches
Mitdenken und Beteiligen der Arbeiter war undenkbar,
Business Reengineering war noch nicht eingeführt - also
musste ein enges Korsett her, das vorher genau festgelegte
Arbeitsschritte verwalten konnte. Das ist eigentlich eine
recht gute PPS - Charakteristik. Denn PPS kann verwalten,
steuern kann es nicht. Die künftige Prozessorientierung wird
von unseren PPS-Systemen nicht nur nicht gefördert, sondern
zerstört.
Deswegen benötigen wir für die Zukunft
anderes: Steuerndes, Frühwarnendes und nicht Verwaltendes.
Zukünftige Forderungen an ein PPS-System
Jede
gute Organisation hat zwei Kriterien, die zugleich
Voraussetzung für einen sinnvollen PPS-Einsatz sind.
Prozesssicherheit:
Die "Black Box" Fertigung oder die
Pipeline Wertschöpfungskette ist bereits derart organisiert,
dass es keine großen und überraschenden Abweichungen vom
Geplanten geben darf. Diese mühevolle organisatorische
Feinarbeit mündet in eine hohe Prozesssicherheit. Im Übrigen
ist das stets eines der ersten Ziele eines Managers.
Kurze Wiederbeschaffungszeiten:
Wenn die Übergangszeiten
gekürzt sind und wenn die Hauptmaschinen in einer
sinnvollen, prozessorientierten Anordnung zueinander stehen,
verkürzen sich alle Wege. Die bekannten 97% der Auftragszeit
für Transportieren, Warten und vor allem Lagern sind spürbar
gekürzt.
Das System wird kurz atmiger. Nicht mehr
Wochen, sondern Tage sind die neue Maßeinheit, in manchen
Fällen auch Stunden. Mit den beiden genannten
Voraussetzungen für gute Organisation werden die meisten
Probleme, die früher zur Einführung von PPS geführt haben,
ausgemerzt. Es entsteht damit eine neue, erst einmal
gänzlich unbekannte Frage:
"Wozu brauchen wir
überhaupt noch ein PPS-System?"
Das alte, alles
verwaltende MRP-System benötigt dann niemand mehr. Benötigt
wird ein Frühwarnsystem in einer Art Grobplanung.
Frühwarnsystem:
Die Anforderungen an ein Frühwarnsystem
sind dann andere, anspruchsvollere. Nämlich einen
Planungsschirm über das ganze künftige Geschehen zu spannen,
der frühwarnend auf Engpässe in Material und Kapazitäten
hinweist. Dann hat man Zeit, in Ruhe zu agieren und
Fehlentwicklungen zu vermeiden. Auch neue,
betriebswirtschaftliche Steuer- oder Frühwarnungsgrößen sind
möglich, z.B. der künftige Deckungsbeitrag des machbaren
Produktionsprogramms. (Der DBI ist überall bekannt oder sehr
leicht zu rechnen).
Die Fertigung arbeitet mit
Wochen- und Tagesprogrammen, in denen nur der Kunde, die
Sachnummer, die Bezeichnung und die Mengen angegeben sind.
Nur auf besondere Anforderung erscheint auf dem Bildschirm
ein einfacher und eher grober Arbeitsplan. Er enthält
natürlich keine Zeiten für evtl. Akkordierung mehr.
Vorher hat die Logistik die Machbarkeit des
Produktions-Programms geprüft. Alle Materialien, alle
Kapazitäten sind auftragsbezogen verfügbar. Der Prozess ist
demnach sicher, jedenfalls was diese beiden
Produktionsfaktoren angeht.
Der übliche Einwand auf
diese Überlegung ist: "Ja, theoretisch ist das gut, doch
praktisch wird das nicht funktionieren". |
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